Steroide/Nebenwirkungen
Anabole Steroide und ihre Wirkungen
Anabole Steroide sind chemische Verwandte des Sexualhormons Testosteron, die im Labor synthetisiert werden. Ein Hormon wie dieses hat zwei unterschiedliche Wirkungen auf den Körper. Die androgene Wirkung beeinflusst die Entwicklung und den Erhalt der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale. Das Wachstum und die Entwicklung von Penis, Prostata, Samenleiter und Samenblasen, sowie Skrotum (gehört zum Hodensack) und Nebenhoden. Sie führt zu zunehmender Talgbildung der Talgdrüsen, zunehmender Körperbehaarung, vor allem
im Gesichts- und Schamhaarbereich und zur Vertiefung der Stimme. Im psychischen Verhalten kann es zur Steigerung der Aggressivität und der Libido führen. Die androgenen Effekte der anabolen Steroide sind mit denen des Testosterons vergleichbar, weisen jedoch ab und zu unterschiedlich starke Ausprägungen auf. Die anabole Wirkung ist als Protein aufbauende Wirkung zu verstehen, die den Stoffwechsel beeinflusst und die Gewebebildung fördert, d.h. wachstumsfördernden Einfluss auf Muskeln, Skelett und Organe (vor allem beim wachsenden Organismus) hat. Der anabole Effekt des Testosterons regt primär den Eiweißaufbau (Proteinsynthese), insbesondere im Skelettmuskel, an. Weiterhin ist der Anabolismus (Aufbau körpereigener Substanzen) für die Erhöhung der Zahl roter Blutkörperchen und der Hämoglobinkonzentration im Blut verantwortlich, sowie für die erhöhte Retention von Elektrolyten und Wasser, aber auch für die Kontrolle der Körperfettverteilung und die prozentuale Abnahme des Körperfettanteils. Durch verschiedene synthetische Abänderungen der Grundsubstanz Testosteron ist es gelungen, Wirkstoffe mit einer möglichst großen anabolen und kleinen androgenen Wirkung herzustellen. Damit sollte eine vermehrte klinische Anwendung vor allem bei Langzeitbehandlungen ohne die vermännlichenden Nebenwirkungen erzielt werden. Therapeutische Indikationen für die Anwendung anaboler Steroide können bei Rekonvaleszenz (Genesender) nach größeren konsumierenden Erkrankungen, bei chronischen Anämien (Blutarmut), bei dialysenpflichtigen Patienten, bei Osteoporose und bei Patienten mit hormonellen Störungen (zum Beispiel Mangel an Testosteron) gegeben sein. Einige dieser Indikationen sind aber umstritten, und teilweise stehen heutzutage wirksamere Substanzen zur Verfügung (zum Beispiel gentechnologisch hergestelltes Erythropoetin zur Behandlung von chronischen Anämien). Neben den medizinischen Indikationen gibt es weitere Indikationen, die als missbräuchlich bezeichnet werden und in Deutschland nicht zugelassen sind. Dazu zählen das Einsetzen von Anabolika in der Viehmast und im Leistungssport zur Leistungssteigerung.
Nebenwirkungen der anabolen Steroide bei Frauen und Männern
- Akne
- Störung im Fettstoffwechsel
- Wasserspeicherung
- hoher Blutdruck
- Störungen der Psyche
- veränderte Leberfunktion
- Nierenversagen
- Haarausfall, Haarveränderungen
- vermehrte Talgbildung (Seborrhöe)
- Veränderungen im kardiovaskulären System
- Überlastung des Bewegungsapparates
- Appetit-Zunahme
- erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten nach Absetzen
- Störung im Hormonhaushalt
Hormonhaushalt
Der Hormonhaushalt des Menschen wird durch komplexe Regelmechanismen über den Hypothalamus, den Hypophysenvorderlappen und periphere Drüsen gesteuert. Durch die Zufuhr von exogenen Anabolika wird dieses Regelsystem empfindlich gestört und durch ein negatives Feedback wird die körpereigene Produktion an Steroidhormonen verringert oder sogar eingestellt. Durch die Hemmung der gonadotrophen Hormone in der Hypophyse kommt es zu einer Verminderung der Spiegel von luteinisierendem Hormon (LH) und Follikel stimulierendem Hormon (FSH), die beim Mann auf die Produktion von Testosteron und Spermien, bei der Frau auf die Eireifung wirken.
Fettstoffwechsel
Bei Anwendung von Anabolika kommt es beim Fettstoffwechsel zu einer ungünstigen Verschiebung des Risikoprofils: Der Cholesterinspiegel wird nur unwesentlich beeinflusst, dagegen nimmt das LDL-Cholesterin (Low-Densitiy-Lipoprotein) zu, das HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein) ab. Das ungünstige Risikoprofil bleibt bei länger andauernden Applikationen ausgeprägt und normalisiert sich nach Absetzen der Anabolika nur langsam.
Bewegungsapparat
Die relativ rasche Steigerung der Muskelkraft durch Anabolika Applikation kann zu einer Überlastung des Sehnen- und Bänderapparates führen, der sich aufgrund seines trägeren Stoffwechsels langsamer an die erhöhten Anforderungen anpasst. Die Gefahr von Sehnen- und Bänderrissen sowie Knorpelschäden an den Gelenken und Knochenbrüchen ist deshalb erhöht.
Herz-Kreislauf-System/Blutdruck
Anabolika bewirken eine erhöhte Retention von Wasser und Körpergewichtszunahme, was zu einem bis um 15% höheren Blutvolumen führt. Dies kann eine beträchtliche Erhöhung des systolischen Blutdrucks und der Pulsfrequenz verursachen, wobei Dauerschäden sämtlicher Organe unseres Körpers, auch eine Schädigung der Nieren nicht ausgeschlossen werden kann. Ein hoher Blutdruck führt häufig zu Gefäßveränderungen in den Nieren und ist somit für das Fortschreiten eines Funktionsverlusts des Organs verantwortlich.
Die Applikation anaboler Steroide begünstigen außerdem das Entstehen einer Kardiomyopathie (Erkrankung der Muskelschicht des Herzens), z.B. einer Kardiomegalie (Herzvergrößerung) mit Herzhyperthrophie (Herzwanddickenzunahme) und Dilatation (Ausweitung, Ausdehnung) aller Herzhöhlen. Daher lassen sich oftmals frühzeitige Herzinsuffizienzen (Leistungsschwächen des Herzens) und Herzinfarkte auf Anabolika zurückführen.
Leber
Fehlfunktionen der Leber sind eine verbreitete Nebenwirkung anaboler Steroide (besonders bei oral verabreichten alpha-17-alkylierten Sexualhormonen) und führen zur Erhöhung der Werte in einigen Leberfunktionstests. Die Liste möglicher Leberfunktionsstörungen ist groß. Erhöhte Leberwerte dürfen daher nicht ignoriert werden, da sie Anzeichen für fortschreitende Leberschädigung sein können. Gewöhnlich klingen die Fehlfunktionen der Leber wieder ab. Sogar bei längerfristiger Nutzung anaboler Steroide scheint es bei geringeren bis mittleren Dosierungen kein signifikantes Risiko einer Leberschädigung zu geben. In Fällen mit zurückbleibenden Fehlfunktionen ist dies vermutlich die Folge einer Cholestase (Abflussstörung der Gallenflüssigkeit), bei der sich Gallensaft in den Leberzellen ansammelt und degenerative Veränderungen in Leberzytoplasma (Zellplasma) und Zellmembran stattfinden. Es wurde bereits nachgewiesen, dass eine Cholestase zu histologischen Veränderungen der Leber führen kann. Obwohl die Pathogenese (Krankheitsentstehung und -entwicklung) der Cholestase mittlerweile Gegenstand umfangreicher Untersuchungen ist, sind noch keine befriedigenden Erklärungen verfügbar. Es wird angenommen, dass eine längerfristige Erhöhung der Leberenzyme eine fortschreitende Schädigung der Leber anzeigt, die möglicherweise zur Leberzirrhose (Bindegewebsvermehrung und -verhärtung) führen kann. Studien der vergangenen 15 Jahre deuten darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Cholestase, Peliosis hepatis (blutgefüllte Zysten in der Leber) und Lebertumoren besteht. Zum komplexen Prozeß der Krebsentstehung in der Leber können viele Faktoren beitragen, doch die meisten Leberkarzinome (bösartige Geschwulste) beim Menschen entstehen durch eine Zirrhose. Lebertumore bei Männern und Frauen als Folge des Gebrauches anaboler Steroide sind weiterhin bekannt.
Psyschiches Verhalten
Ohne das bisher systematische Untersuchungen vorliegen, wird immer wieder von Androgen/ Anabolika-induzierten (künstlich hervorgerufen) verändertem Verhalten gesprochen. Anwender betonen psychische Effekte wie Euphorie, Halluzinationen, Größenwahn und vor allem Aggressivität. Während der Applikation anaboler Steroide, aber vor allem nach Absetzen der Präparate lassen sich Depressionen, starke Stimmungsschwankungen, Angstzustände und Entzugserscheinungen beobachten. Zudem führt der längere Gebrauch von Anabolika zu Toleranzbildung, erhöhtem Verlangen, Verlängerung der Einnahmezyklen und Abhängigkeit. Ein positiver Nebeneffekt dieser Aggressivität ist die meist gesteigerte Trainings- und Wettkampfmotivation, ein Faktor, der in erheblichem Maße die Leistungsfähigkeit beeinflussen kann.
spezifische Nebenwirkungen bei Männern
- Abfall der Testosteron-Eigenproduktion
- Störung der Spermiogenese (Folge: Hodenatrophie, sowie Impotenz/ Unfruchtbarkeit)
- Feminisierung: Gynäkomastie
- Veränderung in den Blutfettwerten: Abfall von HDL- Cholesterin
- gelegentlich Ödembildung
Störung der Spermiogenese
Es konnte festgestellt werden, dass bei Bodybuildern, die über 3 Monate hinweg hohe Dosen von verschiedenen Anabolika applizierten, einerseits die Spermienzahl um über 90% sank und andererseits das Hodenvolumen um etwa 20% abnahm. Nach Absetzen der Anabolika trat eine restitutio ad integrum (vollständige Wiederherstellung des normalen Zustandes) der Spermienzahl, Hodengröße, Gonadotropine und der Synthese von endogenem Testosteron ein. Die Wirkung von Anabolika auf den gonadalen Regelkreis scheint also reversibel. Bekannt ist allerdings auch, dass Anabolikaeinnahme zur Beeinträchtigung der Spermienqualität bis hin zur Impotenz führen kann. Nach einer initialen Steigerung der sexuellen Aktivität kommt es langfristig zu einer Abnahme.
Feminisierung
Die meisten anabolen Steroide können zu Östrogenen (Östradiol und Östron) aromatisiert (konvertiert) werden. Gynäkomastie (Anschwellung der Brustdrüsen) tritt besonders häufig bei Jugendlichen, bei älteren Patienten und bei exzessivem Gebrauch ein. Außerdem werden Erscheinungen wie übermäßig weiche Muskulatur und verstärkte Neigung zu Fettansatz sichtbar. Nach Absetzen des Anabolikums kommt es in der Regel zur Rückbildung der Gynäkomastie.
spezifische Nebenwirkungen bei Frauen
- Gonadotropine (Folge: sekundäre Amenorrhöe - Ausbleiben der Monatsblutung)
- Virilisierungserscheinungen (Folge: tiefe Stimme, Haarveränderungen, Hirsutismus, Kahlköpfigkeit, Klitorishypertophie, Rückbildung der Brust, Verfestigung/Vergröberung des Knochenbaus)
- bei Schwangerschaft: heterosexuelle Fehlerscheinungen weiblicher Foeten
Ebenso wie Männer setzen auch immer mehr Frauen anabole Steroide zur Leistungssteigerung im Sport ein; und genau wie Männer sind auch sie anfällig für Nebenwirkungen. Diese sind nicht nur eine direkte Folge des Gebrauchs anaboler Steroide, sondern auch der verringerten Produktion von Östrogenen und Progesteronen in den Ovarien (Eierstöcken) als Folge der Hemmung von LH (lutenisierenden Hormon) und FSH (follikelstimulierenden Hormon) durch Anabolika. Bei Frauen mit genetischer Prädisposition kann sich die Virilisierung, einschließlich Stimmvertiefung, Akne, Hirsutismus, Kahlköpfigkeit und einer Hypertrophie der Klitoris - besonders bei länger dauernder Applikation - als irreversibel erweisen.
spezifische Nebenwirkungen bei männlichen Jugendlichen
- vorzeitige Vermännlichung (Virilisierung, Hodenatrophie)
- beschleunigte Skelettreifung (zunächst Wachstumsschub, dann Epiphysenfugenschluß, Folge: Kleinwuchs)
- Feminisierung: Gynäkomastie
- psychische Veränderungen
Frühzeitiger Wachstumsfugenschluß
Es ist besonders gefährlich Anabolika im Jugendalter zu verabreichen, da es zu einer Beschleunigung und Abkürzung der Knochenreifung führen kann. Diese führt zu einem verfrühten Epiphysenfugenschluß und folglich zu einem frühzeitigen Ende der Wachstumsphase mit einer Verminderung der definitiven Körpergröße.
Hormone und verwandte Wirkstoffe
Die Klasse der Hormone und der verwandten Substanzen umfasst Wirkstoffe mit unterschiedlichster Struktur und Wirkung. Es sind größtenteils körpereigene Eiweiße, die als Botenstoffe wirken und die Produktion weiterer Substanzen anregen.
Wachstumshormon
Das menschliche Wachstumshormon Somatropin auch HGH (human growth hormone) wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet. Seit 1985 kann es auch gentechnologisch hergestellt werden.
Wirkungen
Die Wirkungen des Wachstumshormons sind sehr vielfältig, einerseits als direkter Botenstoff, andererseits indirekt über die Produktionsanregung anderer Hormone. Bei Jugendlichen reguliert es das Längenwachstum, es regt die Zellteilung an. Es führt aber auch zum Abbau der Fettdepots, erhöht den Blutzuckerspiegel und unterstützt den Muskelaufbau.
Nebenwirkungen
Eine erhöhte Ausschüttung des Wachstumshormons führt zum Gigantismus (Akromegalie). Es kommt zu einer Vergrößerung der Kiefer-Kinn-Partie und einem verstärkten Wachstum von Fingern, Händen, Zehen, Füßen, Nase und Jochbein. Auch die inneren Organe wie Herz, Leber und Darm nehmen an Größe zu. Durch den Eingriff in den Zuckerhaushalt kann es zu Zuckerkrankheiten (Diabetes) kommen. Durch die vermehrte Einlagerung von Wasser steigt der Blutdruck und die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems nimmt zu.
Anwendung
Wachstumshormone werden nur bei einer fehlerhaften Produktion des Körpers oder bei Zwergwuchs verschrieben.
Missbrauch
Eine direkte Leistungssteigerung im Sport ist wissenschaftlich nicht untersucht. Die Reduktion von Körperfett und die gleichzeitige Zunahme von Muskelmasse legen den Missbrauch im Sport nahe. Im Bodybuilding werden Wachstumshormone mit Anabolika kombiniert, wodurch die Gefährlichkeit beider Substanzen noch erhöht wird. Eine Untersuchung des italienischen Dopingfahnders Donati ergab, dass - in Anbetracht der verkauften Menge an Wachstumshormonen jeder 7. Italiener zwergwüchsig sein müsste.
Wachstumshormone sind im und außerhalb des Wettkampfes verboten. Da Wachstumshormone streng artspezifisch wirken, wurden sie bis zur Möglichkeit der synthetischen Herstellung aus menschlichen Leichen gewonnen, wobei stets die Gefahr einer Übertragung von Krankheiten, insbesondere Creuzfeld-Jakob, bestand. Besondere Vorsicht ist auch heute noch bei Wachstumshormonen geboten, die auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden, da manche dieser Produkte aus den Hypophysen Verstorbener gewonnen werden
Erythropoietin (EPO)
EPO ist in letzter Zeit eines der bekanntesten Dopingmittel. Durch eine Vielzahl von Doping-Skandalen wird EPO (neben Anabolika) in der Öffentlichkeit als die Doping-Substanz wahrgenommen.
Wirkungen
Erythropoietin ist für die Produktion und den Haushalt der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zuständig. Stellt der Körper eine mangelnde Sauerstoffversorgung fest, so wird in der Niere EPO gebildet. Dieses regt die Bildung von roten Blutkörperchen in den Produktionsstätten im Knochenmark an.
Nebenwirkungen
Ein zu hoher EPO-Anteil im Blut führt zu einer Verdickung des Blutes, wodurch die Fließeigenschaften verschlechtert werden. Dies kann zu Thrombosen, Schlaganfällen und im schlimmsten Fall zum Tod durch einen Gefäßverschluss führen.
Anwendung
Bei einer Funktionsstörung der Niere sind Patienten auf EPO angewiesen. Seit der gentechnischen Herstellung von EPO sind Nierenkranke nicht mehr auf Bluttransfusionen angewiesen.
Missbrauch
Schon kurz nach der Markteinführung des ersten gentechnologisch hergestellten Erythropoietin wurden Gerüchte über einen Missbrauch im Sport laut. Durch die Steigerung der Anzahl der roten Blutkörperchen kann mehr Sauerstoff transportiert werden und dadurch die Muskulatur besser versorgt werden. Ähnliche Effekte treten bei den aufwendigeren und gefährlicheren Blutdoping-Verfahren auf. Der direkte EPO-Nachweis gelang erst im Jahr 2001, daher wurden in den 1990er Jahren Grenzwerte für den Hämatokrit oder das Hämoglobin eingeführt. Bei einem Überschreiten des Grenzwertes darf der Athlet aus "medizinischen Gründen" nicht am Wettkampf teilnehmen. Ein derartiges Wettkampfverbot gilt allerdings nicht als positiver Dopingfall. Vor allem in Ausdauersportarten wurde und wird EPO als Dopingmittel missbraucht, in jüngster Zeit wurden aber auch in anderen Sportarten Anwendungsmöglichkeiten entdeckt.
Gonadothropine (HCG)
Unter der Bezeichnung Gonatropine werden die Substanzen zusammengefasst, die stimulierend auf die Keimdrüsen wirken.
Wirkungen
Gonadotropine wirken auf die Keimdrüsen und übernehmen im Körper somit eine Übermittlerrolle. LH stimuliert die Produktion von Testosteron in den Hoden bzw. den Eisprung und die Gelbkörperbildung. HCG wird während der Schwangerschaft, besonders zu Beginn, in hohen Mengen produziert und in die Blutbahn abgegeben. Es steuert die Ausschüttung des Hormons Progesteron, das während der Schwangerschaft die Reifung weiterer Eizellen verhindert und für die Entwicklung der Milchdrüsen wichtig ist.
Nebenwirkungen
Eine Behandlung mit Gonadotropine kann zu einer Vergrößerung (Hypertrophie) der Eierstöcke führen. Wie bei vielen Eingriffen in den Hormonhaushalt kann dieser gestört werden.
Anwendung
LH wird zur Stimulation der Follikelreifung eingesetzt. HCG wird bei Frauen mit einem fehlenden Eisprung oder ungenügender Follikelreifung anwendet. Zur Behandlung von Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes kann HCG zusammen mit anderen Hormonen kombiniert werden.
Missbrauch
HCG wird im Sport eingesetzt, um das "Hormonloch", das nach dem Absetzen von anabolen Steroiden auftritt, möglichst zu vermeiden. Die durch die Anabolika-Anwendung gedrosselte Testosteron-Produktion wird wieder angeregt.
Insulin
Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und reguliert den Zuckerstoffwechsel. Dieses 1869 von Langerhans entdeckte Hormon steht seit 1999 auf der Dopingliste.
Wirkungen
Insulin transportiert den Hauptenergieträger des menschlichen Körpers, die Glucose, vom Blut in die Muskeln und ist somit lebensnotwendig. Nach einer Nahrungsaufnahme wird verstärkt Insulin ausgeschüttet um die Aufnahme von Glucose und Aminosäuren in die Zelle zu verbessern. Insulin erhöht die Glykogenbildung in der Leber, stimuliert die Bildung von Fetten aus Glucose und hemmt die Umwandlung von Eiweißen zu Glucose.
Nebenwirkungen
Eine Überdosierung von Insulin kann zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) führen, die sich durch Herzklopfen, Unruhe, Zittern und Schwitzen äußern kann. Bei sehr niedrigen Blutzuckerwerten kommt es zum hypoglykämischen Koma. Insulin muss injiziert werden, an den Einstichstellen kann es zu Unterhautsveränderungen (Lipodystrophie) kommen.
Anwendung
Bei Diabetes-Erkrankungen kann die Gabe von Insulin notwendig werden. Früher wurden die Präparate aus Rinder- oder Schweineinsulin zur Behandlung verwendet, heute wird Insulin gentechnologisch hergestellt.
Missbrauch
Insulin bewirkt eine Reihe anaboler (aufbauender) Stoffwechselvorgänge, etwa die Glykogen-, Lipid- und Proteinsynthese. Ursprünglich wurde Insulin vor allem in Kraftsportarten eingesetzt, mittlerweile kommt es aber auch in Ausdauersportarten zum Einsatz. Durch die Kombination von Insulin und Kohlehydrate sollen die Energiereserven in den Muskelzellen speziell vor Wettkämpfen erhöht werden. Die tatsächliche Leistungssteigerung von Insulin wird allerdings von Experten in Frage gestellt. Insulin ist in und außerhalb des Wettkampfes verboten. Besteht ein medizinischer Bedarf für Insulin-Gaben, so hat der Sportler die Möglichkeit, eine medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) zu beantragen
Beta-2-Agonisten
Beta-2-Agonisten oder auch Beta-2-Symphatomimetika wirken erweiternd auf die Bronchien und werden zur Behandlung von Asthma eingesetzt. Sollte eine Behandlung von Asthma nötig sein, muss um eine medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) angesucht werden.
Wirkungen
Beta-2-Agonisten führen zu einer Erschlaffung der Bronchialmuskulatur durch eine Stimulierung der Beta-2-Rezeptoren. Sie lindern dadurch die Symptome eines Asthmaanfalls.
Nebenwirkungen
Die heutigen Substanzen wirken sehr zielgerichtet, haben eine hohe Selektivität, trotzdem können hohe Dosen die Beta-1-Rezeptoren am Herzen stimulieren. Zu den Nebenwirkungen zählen unter anderem die Erhöhung der Herzschlagfrequenz, eine Schwächung des Herzmuskels, Herzrhythmusstörungen und Angina Pectoris. Des Weiteren können unkontrollierbare Muskelzuckungen und erhöhte Glukosewerte im Blut vorkommen.
Anwendung
In der Medizin werden Beta-2-Agonisten zur Behandlung des Bronchialasthmas eingesetzt. Man unterscheidet zwischen schnellwirksamen Substanzen, die vor allem während eines Anfalles inhaliert werden. In der Basistherapie bevorzugt man Substanzen mit einer langen Wirkdauer, die die Krampfanfälligkeit der Muskulatur senken.
Missbrauch
Einige Beta-2-Agonisten wurden illegalerweise in der Tiermasthaltung verwendet, bevor sie auch im Sport missbraucht wurden. In hohen Dosierungen fördern diese Substanzen die Proteinsynthese und führten so bei den Tieren zu einer Zunahme der Muskelmasse gegenüber der Fettmasse. Im Sport erhoffen sich dopende Sportler ähnliche Effekte und eine kurzfristige Leistungssteigerung durch die erweiternde Wirkung. Der wissenschaftliche Nachweis bestätigt diese Vermutung allerdings nicht. Im Sport sind alle Beta-2-Agonisten verboten. Eine medizinisch begründete Therapie muss durch ein Ausnahmeverfahren (TUE) genehmigt werden.
Hormon-Antagonisten und-Modulatoren
Verboten sind vier verschiedene Klassen: Aromatase-Inhibitoren, selektive Östrogen-Rezeptoren-Modulatoren, andere antiöstrogen wirksame Substanzen und Wirkstoffe, welche die Myostatinfunktion(en) verändern.
Wirkungen
Durch antiöstrogene Substanzen wird auf verschiedene Art und Weise die Umwandlung des männlichen Sexualhormons Testosteron in das weibliche Hormon Östrogen verhindert.
Nebenwirkungen
Die Anwendung von Antiöstrogenen kann unter anderem zu Hitzewallungen, Vaginalblutungen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Sehstörungen und einem erhöhten Thrombose-Risiko führen.
Anwendung
Antiöstrogene werden bei Frauen zur Behandlung von Brustkrebs und anderen hormonabhängigen Tumoren, zur Behandlung von Osteoporose und zur Stimulation des Eisprungs eingesetzt. Für Männer gibt es keinen medizinischen Anwendungsbereich.
Missbrauch
Der Missbrauch dieser Substanzen im Sport zielt nicht in erster Linie auf eine Leistungssteigerung ab, sondern um die hinlänglich bekannten Nebenwirkungen von Anabolika zu unterdrücken, etwa das Wachsen weiblicher Brüste bei Männern. Durch die Verschleierung soll der Betrug versteckt werden. Vermutungen gehen davon aus, dass Antiöstrogene den Testosteronspiegel im Blut anheben, dies wurde bis jetzt aber noch nicht eindeutig belegt.
Diuretika
In diese Klasse fallen Medikamente mit unterschiedlicher chemischer Struktur. Sie fördern die Ausscheidung von Körperwasser (Urin).
Wirkungen
Diuretika wirken auf die Niere und fördern die Ausscheidung von Urin. Stark wirkende Diuretika führen in wenigen Stunden zu schnellem Wasserverlust und damit zu einer Gewichtsreduktion von einem bis zwei Kilogramm.
Nebenwirkungen
Der Wasser- und Salzhaushalt wird gestört und Mineralstoffe gehen verloren, insgesamt kommt der Elektrolythaushalt ins Schwanken. Dies kann zu akutem Blutdruckabfall, Muskelkrämpfen, Kreislaufkollaps, Magen- und Darmproblemen und Nierenschäden führen. Bei Männern kann Impotenz, bei Frauen Störungen der Menstruation auftreten.
Anwendung
Diuretika werden bei Bluthochdruck oder bei einer Ansammlung von Wasser in Geweben (Ödem) eingesetzt.
Missbrauch
Diuretika steigern die sportliche Leistungsfähigkeit nicht, trotzdem gibt es Gründe, warum sie im Sport missbraucht werden. Einerseits kann ein schneller Gewichtsverlust erzwungen werden, was in Sportarten mit Gewichtsklassen einen Start in einer niedrigeren Klasse ermöglichen kann. Andererseits wird durch die erhöhte Wasserausscheidung die Urinprobe verwässert, wodurch der Nachweis von Dopingsubstanzen erschwert werden soll. Diuretika sind seit 1988 im und außerhalb des Wettkampfes verboten.
Stimulanzien
In die Kategorie der Stimulanzien (auch Psychostimulanzien oder Sympathomimetika) finden sich Aufputschmittel, die kurzfristig eine Leistungssteigerung bewirken und die Stimmung heben.
Die chemische Struktur der typischen Stimulanzien wie Amphetamin oder Ephedrin ist ähnlich wie diejenige der körpereigenen Hormone Adrenalin und Noradrenalin, weshalb sie auch eine ähnliche Wirkung auf den Organismus haben. Zu den Stimulanzien gehören auch illegale Drogen wie Kokain und Ecstasy.
Wirkungen
Stimulanzien wirken auf das Nervensystem. Sie bewirken eine Erhöhung des allgemeinen Energieumsatzes und verzögern die Ermüdung. Sie steigern die Körpertemperatur, den Herzschlag, den Blutdruck und führen zu Euphorie.
Nebenwirkungen
Stimulanzien führen zu Stresssymptomen, Unrast, Aggression, sowie zu psychischen Störungen wie Depressionen und Suchtverhalten. Die Erhöhung von Körpertemperatur und Herzschlag kann zu Problemen des Herz-Kreislauf-Systems durch Überlastung führen. Hohe Dosierungen schalten das körpereigene Warnsystem aus, die körpereigenen "eisernen" (autonomen) Energiereserven werden aufgebraucht. Dadurch kann es zu schweren Erschöpfungszuständen und im Extremfall zum Tod kommen.
Anwendung
Zentral wirkende Stimulanzien wie z.B. Amphetamine haben kaum eine medizinische Anwendung. Einige Stimulanzien werden als Appetitzügler eingesetzt, wobei der therapeutische Wert aber umstritten ist. Indirekt wirkende Stimulanzien wie Ephedrin wirken auf die Atemwege (erschlaffend auf Bronchien und abschwellend auf Nasenschleimhaut) und sind in vielen Erkältungsmitteln zu finden, weshalb Sportler hier besondere Vorsicht zeigen müssen.
Missbrauch
Vor allem den 70er Jahren wurden Stimulanzien als Dopingmittel im Wettkampf eingesetzt. Einige Todesfälle im Sport lassen sich auf den Missbrauch von Stimulanzien zurückführen. In den 1980er Jahren waren Versuche bekannt geworden, Leistungssteigerungen mit hohen Dosen von Koffein zu erzielen. Daraufhin wurde ein Grenzwert für Koffein im Urin fest, von dem man annahm, dass er durch Trinken von Kaffee kaum erreicht werden könne. Bei Versuchen zeigte sich aber, dass bei manchen Menschen bereits nach dem Konsum von zwei Tassen Kaffee dieser Grenzwert erreicht sein kann. Man nimmt an, dass der individuelle Stoffwechsel hierbei eine Rolle spielt. Die Bestimmung wurde daraufhin 2004 wieder aufgehoben. Ähnlich schwache Stimulanzien zählen nun nicht mehr zu den verbotenen Substanzen, sie werden von den Labors aber weiterhin zur Überwachung analysiert.
Narkotika
Als Narkotika oder auch Narkoanalgetika gelten laut Verbotsliste starke Schmerzmittel aus der Klasse der Opiate. Typische Beispiele sind Morphin, Heroin oder Methadon.
Wirkungen
Narkotika wirken auf das Nervensystem und dämmen den Schmerz. In geringen Dosierungen heben sie die Stimmung.
Nebenwirkungen
Narkotika können die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit beeinträchtigen. Sie führen zu Stimmungsveränderungen bis hin zu psychischen Störungen. Narkotika besitzen ein großes Suchtpotential. In hohen Dosen führen sie zu Bewusstseinstrübung, zur Lähmung des Atemzentrums bis zum Tod.
Anwendung
In der Medizin werden Narkotika zur Schmerzstillung bei schweren Erkrankungen oder Verletzungen bzw. zur Suchtbekämpfung unter medizinischer Kontrolle (Heroinabgabe, Methadon-Programm) angewendet.
Missbrauch
Narkotika werden vorwiegend im Wettkampf eingesetzt, vor allem in Sportarten, die Schmerz verursachen (z.B. Kampfsportarten). Einige Todesfälle lassen sich auf den Missbrauch dieser Substanzen (teilweise in Kombination mit Stimulanzien) zurückführen. Aus dem Radrennsport kennt man beispielsweise den "pot belge", eine gefährliche Mischung aus Heroin, Amphetamin, Kokain und weiteren Substanzen. Dieser Cocktail steigert die Leistungsbereitschaft und Leidensfähigkeit ins Maßlose, sodass die Betroffenen ihre Grenzen nicht mehr wahrnehmen und sich völlig verausgaben. Seit 1967 sind Narkotika im Sport verboten. Die Entwicklung wirkungsvoller Nachweismethoden hat dazu geführt, dass der Missbrauch dieser Substanzen heute im Wettkampf nur mehr selten vorkommt.
