Geschichte

 

 

Geschichte Testosteron/anabol-androgene Steroide

 

Männliche Stärke wird seit Jahrtausenden und in vielen Kulturen mit der männlichen Sexualität in Verbindung gebracht. Entsprechend bekamen die männlichen Sexualorgane und -merkmale besondere Kräfte zugesprochen. Hodentransplantationen und -extrakte waren häufig Gegenstand von Experimenten zur Leistungssteigerung. Besonders hervor tat sich damit im 19. Jahrhundert der französische Physiologe Charles Edouard Brown-Séquard. 1889 teilte der 72jährige froh mit, dass es ihm gelungen sei, seinem körperlichen und geistigen Verfall während der letzten 25 Jahre mittels Injektionen drastisch entgegenzusteuern. Die Injektionen bestanden aus Sperma und aus flüssigen Hodenextrakten von Hunden und Meerschweinchen.

 

Erst in den 30er Jahren gelang es, die chemischen Strukturen der Sexualhormone zu entschlüsseln und 1935 das männliche Hormon Testosteron zu isolieren. Allerdings wurde von Seiten der Forschung in den 20er und 30er Jahren keine Verbindung zur Leistungssteigerung im Sport hergestellt, da es noch nicht gelungen war, das muskelaufbauende Potenzial der Steroide zu erkennen.

 

Anfang der 50er Jahre sollen aber bereits die ersten Experimente unter amerikanischen Bodybuildern stattgefunden haben.

 

Der Mannschaftsarzt der amerikanischen Gewichtheber Dr. John Ziegler (später father of Dianabol genannt) entdeckte bei den Weltmeisterschaften in Wien 1954, dass das sowjetische Team Testosteron nutzte. Zur selben Zeit gab es Erfolge bei der Herstellung synthetischer Steroide als Medikamente, die sehr schnell ihren Weg in den Leistungssport fanden. Dianabol hieß das erste amerikanische synthetisch hergestellte Steroid.

 

Bekannt ist die großflächige Anwendung von Anabolika im Sport, vorwiegend in Kraftsportarten, seit 1960, anfänglich häufiger in Westdeutschland als in Ostdeutschland. 1974 wurden sie verboten, nachdem Nachweisverfahren entwickelt waren. Laut einer Befragung über Anabolika-Gebrauch bei den Olympischen Spielen 1972 nahmen 68 % aller Leichtathletik-Teilnehmer diese Mittel. 1976 bei den Olympischen Spielen in Montreal wurden dann die ersten Kontrollen durchgeführt auf die synthetisch hergestellten Anabolika, die der Körper nicht selber herstellen konnte.

 

Das erste Nachweisverfahren für das körpereigene Testosteron wurde von Donike und Mitarbeitern entwickelt, nachdem bei der Nachkontrolle der Urinproben von den Olympischen Spielen in Moskau 1980 bei einer signifikanten Probenanzahl ein erhöhter Testosteronanteil festgestellt wurde, darunter viele Frauen. Bis dato war angeblich Testosteron als Dopingsubstanz nicht bekannt, nur die synthetisch hergestellten anabol androgenen Steroid-Varianten, die alle vom Testosteron abstammen. Bei den Panamerikanischen Spielen 1983 in Caracas wurden 24 Sportler bei Tests vor und während der Spiele überführt. Nach Bekanntwerden der ersten positiven Ergebnisse verließen einige amerikanische Sportler fast „fluchtartig“ die Spiele. Auf die IOK-Dopingliste kam Testosteron 1984 anlässlich der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles.

 

Gaben des natürlichen Testosterons sind nicht nachzuweisen, daher wird bei den Tests das Verhältnis Testosteron/Epitestosteron bestimmt, liegt der Testosteron-Kontrollwert über dem festgelegten Wert, muss der Sportler mittels einer Langzeitkontrolle nachweisen, dass er natürlicherweise einen erhöhten Testosteronspiegel hat. Dieser Test hatte schnell zur Folge, dass Epitestosteron zusätzlich eingenommen wurde, daher kam auch diese Substanz 1992 auf die Verbotsliste. Woraufhin das Schwangerschaftshormon HCG interessant wurde, um den Testosteronwert in den erforderlichen Grenzen zu halten.

 

Heute werden die Bestleistungen vor allem in den kraftbetonten Leichtathletiksportarten aus den frühen 80er Jahren auf den Einsatz der Anabolika zurückgeführt. Dabei zeichnen die Enthüllungen der Dopingpraxis in der DDR ein schauerliches Bild vor allem was die Nebenwirkungen und Folgeschäden bei Frauen und Kindern anbelangt. Aber auch die Entwicklung in der Bundesrepublik jener Zeit ist geprägt von einer weitreichenden Dopingpraxis.

 

Die Dopingdiskussion in den 70 und noch 80 Jahren war sehr intensiv, hauptsächlich ging es um die Verwendung von Anabolika. Die Meinungen waren gespalten, nicht wenige Sportfunktionäre, Sportler, Trainer, Politiker und vor allem führende deutsche Sportärzte waren für eine Freigabe. Erst nach den Olympischen Spielen 1976, die als Dopingspiele in die Geschichte eingingen, kam es zu dem öffentlichen und nach außen hin endgültigen Verbot der Substanzen. Es zeigte sich bald, dass auch danach mit großen Anstrengungen versucht wurde, mit Hilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen und Testreihen die medizinischen Indikationen auf breiter Basis zu rechtfertigen. Diese Forschungen wurden von der Bundesregierung mitfinanziert.