Vorwort
Hallo,
Mein Name ist Ingo Bolz und ich kann behaupten, dass ich erfolgreich in meiner Sportart Bodybuilding war. Ich war mehrfacher Landesmeister, mehrfacher deutscher Meister, Mr. Universum und Weltmeister. Um diese Erfolge überhaupt möglich zu machen, habe ich während meiner aktiven Zeit als Wettkampfbodybuilder verschiedene Dopingsubstanzen genutzt.
Möglicherweise aus diesem Grund bin ich im August 2005 an einer Niereninsuffizienz (Nierenversagen) erkrankt. Seitdem bin ich dialysepflichtig, sodass mein Leben von einer Dialysemaschine abhängt. Vor dem besagten Datum befand ich mich in meiner Wettkampfvorbereitung zur Mr.-Universum-Wahl in Aachen. Dass mir so etwas geschehen könnte, hatte ich vor meiner Erkrankung für unmöglich gehalten.
Ich war überzeugt, ein gesundes Leben zu führen: Ich war Nichtraucher, habe sehr selten Alkohol getrunken und glaubte, mich sehr gesund zu ernähren. Über die schädlichen Nebenwirkungen der jahrelang eingenommenen Dopingsubstanzen hatte ich nie nachgedacht. Ich war felsenfest davon überzeugt, alles fest im Griff zu haben.
Bevor es weitergeht, möchte ich gerne klären, aus welchen Gründen ich dieses Buch geschrieben habe: Mein Wunsch wäre, dass einige Sportler, die Hormonpräparate und andere Medikamente zur Leistungssteigerung einnehmen, ihren Konsum überdenken. Ob ich das mit meinem Buch erreichen kann? Ich hoffe, ja. Ich fühle mich gerade gegenüber jüngeren und unerfahrenen Sportlern verpflichtet, auf die möglichen Gefahren eines Medikamentenmissbrauchs hinzuweisen. Diese Gefahr zu ignorieren war der bisher größte Fehler meines Lebens.
Einige werden jetzt sagen: Ist ja klar, krank geworden und nun wird alles schlechtgeredet. Bitte versteht mich nicht falsch, ich habe nicht das Bedürfnis, den Wettkampfbodybuildingsport niederzumachen, weil ich krank geworden bin. Das würde für mich nie infrage kommen, weil der Bodybuildingsport mein Leben war. Mir ist selbstverständlich klar, dass ich meine Erkrankung durch meinen Medikamentenmissbrauch selbst verschuldet habe. Die Risiken eines dauerhaften Missbrauchs und dessen Folgen hätten mir bewusst sein sollen. Ich wollte aber nie etwas über Risiken hören.
Während meiner Behandlung im Krankenhaus und in der Zeit danach wurde ich von vielen verschiedenen Medizinern betreut, die sich übrigens sehr schnell einig waren, dass mein Nierenversagen auf meinen jahrelangen Medikamentenmissbrauch zurückzuführen sei. Dieses Thema werde ich im fünften Kapitel genauer beschreiben. In den ersten Wochen und Monaten wollte ich unbedingt nach anderen Gründen für meine Erkrankung suchen, um meinen Medikamentenkonsum zu verharmlosen und meinen Sport vor Außenstehenden zu schützen. Mittlerweile habe ich aber eingesehen, dass ich mir doch viel Zeit sparen kann, wenn ich nicht krampfhaft nach anderen Ursachen für meine Erkrankung suche.
In den Kapiteln sieben und acht habe ich meinen Medikamentenmissbrauch zwischen 1991 und 2005 ausführlich beschrieben. Ich bin überzeugt, dass sich die Einnahme von Medikamenten bei sehr vielen Sportlern einiger bestimmter Sportarten in sehr hohen und möglicherweise krank machenden Dosierungsbereichen befindet, die vielleicht mit meinen Dosierungen vergleichbar sind. Mit der genauen Darstellung meines Medikamentenmissbrauchs möchte ich auf die lauernde Gefahr, die mit dem Dopingkonsum einhergeht, hinweisen. Den meisten Sportlern ist diese mögliche Gefahr nicht bewusst oder einfach nur egal. Wer denkt schon über mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen nach, die Jahre oder Jahrzehnte später einmal zutage treten könnten? Die Sucht nach einem muskulösen Körper oder sportlichen Erfolgen ist oft größer als die Angst vor eventuellen gesundheitlichen Gefahren. Bei mir war das leider nicht anders, diese Tatsache kann ich nicht abstreiten. Ich habe es am eigenen Leib erfahren müssen und weiß, worüber ich rede.
Ich kann vorab nur jedem Sportler raten, bei einer Nutzung von Hormonpräparaten . . .
